Ein langer Weg...

Im Juni 2005 kam ich in Dar es Salaam, Tansania an. Das erste Mal Afrika, alles anders, laut, bunt, faszinierend, fremd! Ich wollte hier zwei Jahre als Entwicklungshelfer leben und arbeiten und stürzte mich mit Feuereifer auf die neuen Aufgaben. Was ich schnell feststellte, war, dass ich mit Englisch (immerhin zweite Amtssprache) nicht wirklich weiter kam. Jeder sprach Kisuaheli, eine schnelle, impulsive und fröhliche Sprache. Also stürzte ich mich ins Lernen. Da ich früher schon mehrere Sprachen mit Hilfe des kleinen Prinzen gelernt hatte, indem ich Vertrautes las, versuchte ich, dieses Buch auch in dieser Sprache zu erwerben. Recherchen im Internet zeigten mir, dass das Buch in über 200 Sprachen existierte, Kisuaheli jedoch war nicht darunter.

Das wollte ich nicht akzeptieren, sprechen doch in Ostafrika mehr als 100 Mio. Menschen diese Sprache (es soll sogar schon darüber nachgedacht worden sein, Kisuaheli zur Pan-Afrikanischen Kontinental-Sprache zu erheben). Und all diese Menschen sollten keine Chance haben, den kleinen Prinzen kennenzulernen! Also fing ich an, Wort für Wort, Seite für Seite das Buch zu übersetzen.

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Oft saß ich Abends mit meinem Wächter Martini vor der Tür und wir diskutierten und er half mir Worte zu finden, die das Wörterbuch nicht wusste. Ein Sprachkurs in Arusha und die Diskussion mit geschulten Lehrern ließen mich eine erste Version des Buchs fertig stellen, ich war ca. ein halbes Jahr im Land. Dann begann ich von vorne, mit einer Privatlehrerin und guten Freundin, Seite um Seite, Satz um Satz erneut zu lesen und mit ihr zu diskutieren. Ich wollte wissen, ob meine Versuche verständlich waren.

 
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Danach begann ich, Verlage anzusprechen. Alle waren freundlich, fanden es ein tolles Projekt, aber sagten mir: Das ist zwar schön und nett, aber damit können wir kein Geld verdienen! Dazu kam dann noch, dass ich eine Rückfrage an Gallimard (den Verlag, der die Rechte am Original des Buches hält), richtete, die mir nur mitteilten, dass sie Lizenzgebühren verlangen würden, wenn das Buch in Tansania gedruckt wird. Ich lief von Tür zu Tür, bis ich eines Tages auch zur Französischen Botschaft in Dar es Salaam kam, und die waren begeistert von der Idee! Und bereit, eine erste Auflage zu finanzieren. Ein befreundeter Verlag, Mkuki na Nyota, wurde eingeladen und ich war voller Hoffnung... aber nichts passierte!

Kurz vor Ende meiner Entwicklungshelferzeit wollte ich das ewige Verzögern und Diskutieren nicht mehr aushalten. Ich ließ auf eigene Kosten 1.000 Bücher drucken und verteilte diese über meine Arbeitskollegen an Schulen, Bibliotheken und Freunde im ganzen Land. Das Buch wurde gelesen und ich war glücklich! Aber das war nur ein Tropfen auf den heißen Stein...

Wir kehrten zurück nach Deutschland... der Verlag wollte an dem Buch weiter arbeiten. Und jetzt, zwei und ein halbes Jahr später, Walter Bgoya, der Verlagsleiter hat selbst eine weitere Überarbeitung der Übersetzung durchgeführt und das Buch noch verständlicher und einfacher geschrieben, ist eine erste Auflage gedruckt.

Der Kleine Prinz setzt seine Reise durch Tansania fort!

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